Geschichte

Das Büdesheimer Laternenfest blickt auf eine lange Tradition zurück. Aus einer spontanen Idee hat sich ein traditionelles Volksfest entwickelt, dass jährlich Tausende von Besuchern in seinen Bann zieht. Wenn der Sommer seinen Höhepunkt erreicht, werden in Büdesheim die Häuser geschmückt und die bunten Laternen aufgehängt. Dann werden die Vereine unruhig, weil sie ihre Festwagen für den Lichterumzug noch bauen müssen. Seit Jahrzehnten tun sie das. Und sie tun es gern. Der Lohn der ganzen Mühen zeigt sich dann im Applaus der Zuschauer, insbesondere der vielen Kinder, die von den gelungenen Festzügen immer wieder in Begeisterung versetzt werden.
Was passt auch besser zusammen als ein lauer Sommerabend, buntes Licht, das unsere Sinne betört und Lebensfreude symbolisiert.

Das Büdesheimer Laternenfest gehört untrennbar zur Nachkriegsgeschichte unserer Gemeinde und verdankt seine Entstehung zweifellos dem Zeitgeist der Nachkriegszeit, dieser Erkenntnis “wir sind noch einmal davon gekommen” und dem Bedürfnis, der wieder gewonnenen Lebensfreude Ausdruck zu verleihen. Der wirtschaftliche Aufschwung war in vollem Gange, es gab Anlass zum Feiern – und man konnte sich Feste leisten!

Als Vorgänger des Büdesheimer Laternenfestes können die traditionellen Sommernachtsbälle des Sport- und Kulturvereins e.V. bezeichnet werden. 1950 schlossen sich ganz spontan Tanzkapelle und Festgäste zu einem Umzug zusammen, der von der Turnhalle des SKV zur Schlossstraße und zurück führte. Aus diesem Erlebnis heraus entstand der Wunsch im folgenden Jahr ein Sommernachtsfest zu veranstalten. So fand am ersten Samstag im August 1951 im Saal und Hof der Turnhalle ein Sommernachtsfest mit Lampions und Lichterketten statt. Und wieder formierten sich Festbesucher und Kapelle zu einem fröhlichen Umzug von der Turnhalle bis zum Rathaus und zurück, diesmal mit Lampions und Fackeln.

Dieses Sommernachtsfest sprengte den Rahmen der bisherigen Sommerfeste des SKV, und der Vorstand überlegte, wie man in Zukunft den ständig ansteigenden Zuspruch bewältigen könnte. Man wandte sich mit dem Anliegen an die Gemeinde, die sich grundsätzlich bereit erklärte, sich an der Ausgestaltung des Laternenfestes zu beteiligen. Es wurde ein Festkomitee gebildet, dass sich mit einem Aufruf an die Büdesheimer wandte, dazu beizutragen, dass das Fest ein voller Erfolg wird.

Und die Büdesheimer folgten dem Aufruf des Fest- und Gemeindeausschusses. Sie schmückten ihre Straßen und Häuserfronten mit zum Teil handgearbeiteten Laternen und Lampions. Vor dem festlich illuminierten Rathaus fand das erste Platzkonzert statt, an dem sich die Spielmannszüge benachbarter Gemeinden und die Kapelle der 3. amerikanischen Panzerdivision beteiligten. Auch die inzwischen wesentlich erweiterten Wasserspiele an der Nidderbrücke hatten bereits 1952 ihre Premiere, während der Laternenzug durch die illuminierten Straßen schon Tradition hatte. Zum Abschluss dieses ersten Laternenfestes wurde im Hof der SKV-Turnhalle ein Feuerwerk entzündet. Die Zahl der Festbesucher hatte alle Erwartungen übertroffen, und für die Verantwortlichen stand fest, dass das Laternenfest im folgenden Jahr in erweitertem Rahmen stattfinden müsste. 1953 wurde erstmals ein Festzelt auf dem Gelände der Turnhalle aufgestellt, das allerdings nur einem Teil der Festgäste Platz bieten konnte. Deshalb entschloss sich der Festausschuss, das Laternenfest 1955 auf dem Anger (in der Nähe des heutigen Kindergarten- und Grundschulgeländes) abzuhalten. Dort gab es genügend Platz für einen Vergnügungspark und ein größeres Festzelt.

Das Büdesheimer Laternenfest vergrößerte sich nicht nur im Hinblick auf Besucherzahlen und Vergnügungsangebote, sondern wurde auch zeitlich erweitert. Was 1952 als Sommernachtsfest begonnen hatte, wurde zum dreitägigen Volksfest. Jeweils das erste Wochenende im August steht im Zeichen der “Latern”; so heißt auch heute noch die alljährliche Festschrift, die seit 1956 kostenlos an die Büdesheimer Bürger und die Bevölkerung der nahe liegenden Gemeinden ausgegeben wird. Firmen und Geschäftsinhaber ermöglichen durch Annoncen die Finanzierung der Festschrift.
Die Ausgabe der “Latern” 1961 zeigt zum ersten Mal das Bild einer Büdesheimer Laternenkönigin mit ihren Hofdamen, und zwar Sigrid I., Laternenkönigin des Jahres 1959. In diesem Jahr hatten die Büdesheimer anscheinend ihr monarchistisches Herz entdeckt, und erstmalig wurde ein Büdesheimer Mädchen zur Laternenkönigin gekrönt. Diese Krönung fand bis 1976 immer zwei Wochen vor dem Laternenfest (abwechselnd in der Turnhalle und im Saalbau König) statt. Seitdem wird die jeweilige Laternenkönigin erst am Freitagabend vor dem Fest im Festzelt gekrönt.
Seit es eine Büdesheimer Laternenkönigin gibt, bildet ihr Thronwagen eine feste Größe innerhalb des Festzuges, welcher alljährlich unter einem anderen Motto steht und zweifellos die Hauptattraktion des Büdesheimer Laternenfestes ist. Nahezu alle ortsansässigen Vereine, Clubs und Bürgergruppen beteiligen sich durch den Bau eines Festwagens am Umzug.

An beiden Festtagen kommen Besucher aus der ganzen Umgebung, um die Festwagen, Spielmannszüge und Fußgruppen zu sehen und dabei die Büdesheimer Festatmosphäre einzufangen. Der traditionelle Schlusspunkt eines jeden Laternenfestes am Montagabend gegen 22.30 Uhr ist das große Feuerwerk, das in der Nähe des Festplatzes stattfindet.

Der Veranstalter des Festes ist seit 1960 die Arbeitsgemeinschaft Büdesheimer Laternenfest e. V. und damit Nachfolgerin des Fest- und Gemeindeausschusses, der 1952 erstmals die Büdesheimer aufgerufen hatte, beim 1. Büdesheimer Laternenfest mitzuwirken. Das Fest bedurfte mittlerweile so umfangreicher Vorbereitungen und Organisation, dass es nach “Spezialisten”, ja sogar nach einer gewissen Professionalität verlangte, obgleich alle Mitglieder der ARGE reine Amateure blieben, die ehrenamtlich ihre Arbeitskraft und Freizeit in den Dienst des Laternenfestes stellten.
Den Vorsitz der Arbeitsgemeinschaft hat traditionsgemäß der amtierende Bürgermeister von Büdesheim bzw. Schöneck inne.

Jedes Jahr wird in verschiedenen Ausschüssen die Gestaltung des nächsten Laternenfestes besprochen. Der Festzugausschuss stellt ein neues Motto vor und überlegt sich Gestaltungsmöglichkeiten für die Festwagen. Der Krönungsausschuss kümmert sich um eine neuern Laternenkönigin mit Hofdamen und gestaltet das Programm des Krönungsabends. Der Werbeausschuss stellt die neue Festschrift zusammen. Der Technische Ausschuss schmückt schon einige Tage vor dem Fest die Straßen und das Rathaus mit Lichterketten und Fahne und baut die Wasserspiele an der Nidderbrücke auf.

Über 50 Jahre Büdesheimer Laternenfest – das bedeutet enormes Engagement, unzählige Arbeitsstunden, körperliche und geistige Anstrengungen vieler Büdesheimer. Nun pflegen moderne Staatsbürger stets nach Gründen, dem Sinn und Zweck zu fragen: Warum so viel Mühe wegen eines Volksfestes? Gibt es nicht weniger aufwendige Möglichkeiten der Abwechslung, der Entspannung und Unterhaltung? Auf viele Fragen gibt es bekanntlich mehrere Antworten. In dem Buch “Hessische Volksfeste” wird behauptet, einen Grund zum Feiern fänden die Deutschen immer. Im Feiern sind wir Deutschen Weltmeister. Es ist bekannt, dass die Deutschen gerne feiern, von Sylt bis Bayern.